Schüler schreiben Gedichte
Die Idee zu dieser Unterrichtseinheit für die Klassen 6 -
9 verdanke ich dem Kapitel “Gedichte verstehen” im Lesebuch “Unterwegs 8″ vom
Klett-Verlag.
Mein Ziel ist es vor allem, Schüler/innen zum Schreiben eigener Gedichte zu
motivieren. Als Einstieg wähle ich meist den Text
Der Nebel
(Wolfgang Bächler)
Der Nebel ist unersättlich.
Er frisst alle Bäume,die Häuser,
die parkenden Autos,
die Sterne, den Mond.
Der Nebel rückt näher,
unförmig gemästet,
wird dicker und dicker.
drückt gegen die Mauer,
leckt an den Fenstern
mit feuchter Zunge,
mit grau belegter,
frisst alles,
frisst dich.
Man kann den Schülern an diesem Beispiel sehr schön zeigen, dass ein Gedicht auch
ohne Reime, einheitliches Metrum, gleichmäßig lange Verszeilen und herkömmliche
Strophenformen auskommt. Das überrascht zunächst, aber ein Lesevortrag lässt
schnell erkennen. dass der Text durch die eigenwillige Zeilenanordnung mit der
Zuspitzung der Vorgänge in den letzten beiden Zeilen - Reduktion auf je zwei
Worte - eine Eigendynamik entwickelt, die den Leser/Hörer in ihren Bann zieht.
Dieser wird ja auch am Schluss in einer Art Überrumpelungstaktik unvermittelt
angesprochen und in das Geschehen einbezogen.
Schon ab der 7. Klasse ist es auch möglich, die sprachliche Gestaltung genauer
zu analysieren: Neben der schon erwähnten Zeilenaufteilung tragen der Textaufbau
(Steigerung!) und vor allem die Metaphorik - hier zentral die Personifikation -
wesentlich zur atmosphärischen Dichte dieses Textes bei.
Im Anhang
“Lyrik/Materialien” stelle ich
Beispiele aus meinen Klassen vor.
Nun zur Idee im o.g. Lesebuch:
Das Lehrwerk geht von einem “Cluster” zum Thema “Sturm”
aus. Was dort sehr anschaulich als Mindmap dargestellt ist, liste ich hier der
Einfachheit halber als schlichte Wort- und Prädikatsreihen auf:
Sturm:
- Herbsturm, Vorbote des Winters
- hohe Wellen, Sturmflut, verschlingt Land, lässt Schiffe sinken
- klappt Schirme um, wirbelt Hüte durch die Luft, spielt Gaukler
- heult, Wölfe heulen, Angst
- pfeift ums Haus, rüttelt an der Tür, will hinein
- deckt Dächer ab, drückt Mauern ein, wütender Riese
Der Auftrag an die Schüler/innen war, anhand dieses
“Clusters” ein eigenes Gedicht zu verfassen. Das Buch bietet hierzu zwei
Beispiele:
Aufdringlicher Bote
Er pfeift ums Haus
Er rüttelt an der Tür
Er klopft mit dem Regen ans Fenster
Ich lass’ ihn nicht rein
Ich weiß ja, was er melden will:
Der Winter naht.
Stürmisches Spiel
Mit den Bäumen, den Wäldern
Mit den Dächern der Häuser
Mit den Autos, den Schiffen -
Millionenschäden und Tote
Der Riese Sturm spielt
mit uns “Natur”
Überleitend zu eigenen Gedichten könnte man die
Schüler/innen nun dazu anregen, aus dem Text “Der Nebel” ein Cluster abzuleiten,
sodass sie erkennen, wie durch einfache Assoziationsreihen, hier allerdings nach
dem Steigerungsprinzip, ein einprägsames Gedicht entstehen kann. Diese Vorarbeit
muss selbstverständlich auch für den eigenen Beitrag geleistet werden.
Jetzt ist es an der Zeit, selbst zu “dichten”. Zusätzlich
zu den Themen im Buch (S. 168) machen die Schüler/innen weitere Vorschläge:
Naturgewalten, Pflanzen, Tiere, Ferien/Urlaub, festliche Anlässe und Bräuche.
Nach meiner Erfahrung sind sie für diese Aufgabe so motiviert, dass sie die
Hauptarbeit zu Hause erledigen und ihre “Produkte” schon am nächsten Tag
mitbringen: handschriftlich mit gemalten Illustrationen oder auf dem PC
geschrieben, versehen mit Cliparts und Hintergrundbildern.
Im Frühling oder Sommer empfiehlt es sich, bei schönem
Wetter im Freien zu schreiben und zu dichten: z. B. in einer ruhigen Ecke des
Pausenhofs oder irgendwo im Grünen außerhalb des Schulgeländes.
Hier könnten auch - sozusagen als Höhepunkt dieses kleinen
Projekts - die Schüler/innen ihre Gedichte vortragen.
Lyrik/Materialien
Schüler
schreiben Gedichte
Das Meer
Das Meer
Unendliche Kraft
Türme von Wasser
Hohe Wellen lassen Schiffe an Felsen zerschellen
Unendliche
Kraft
Rau und bedrohlich wie ein Riese
Wie Spielzeug wird alles was sonst sicher erscheint
Angst engt ein
- gefangen -
Das Meer
Unendliche Weite
Kristallklares Wasser
Glitzernd bricht sich das Licht
Ruhe kehrt ein
Unendliche
Weite
Am Horizont verschwimmen Himmel und Erde
- werden eins -
Grenzen scheinen zu verschwinden
Ist Freiheit grenzenlos?
Unendliche
Weite
In der Ferne tummeln sich Delfine
Nehmen meine Träume mit auf die
Reise
In die
Unendlichkeit
(Klasse 9)
Das
Feuer
Feuer, ein
Element,
ein kraftvolles, launisches
Temperament
Schlängelt
sich an Häusern,
Bäumen und Türmen hoch,
nimmt alles in Besitz,
lässt alles unter sich
zu Asche
werden.
Feuer
verbreitet Angst,
Schrecken, Furcht,
Tiere fürchten sich,
Menschen fürchten sich
DOCH
eine kleine Flamme,
Kerzenschein,
Wärme, Licht,
Romantik…
Kaminfeuer,
Liebe,
gelb-rote Zungen,
die die Leidenschaft
in dir entfachen
(Klasse 9)
Der
Winter
Er kommt
jedes Jahr wieder,
mit Schnee, Stürmen und kaltem Wetter.
Und dennoch wird er mit Freude empfangen.
Die Kinder
sind glücklich,
Sie fahren Ski und Schlitten,
Machen Schneeballschlachten
Und bauen Schneemänner.
Doch wenn
es richtig glatt wird,
rutschen Autos und Busse.
Gebäude werden eingeschneit,
Lawinen stürzen von den Dächern.
Manche Erwachsene betrübt das.
Weihnachtsmärkte werden veranstaltet,
Geschenke gekauft,
Tannenbäume und Lichterketten aufgehängt.
Weihnachten naht!
Trotz aller
Freude
Sind alle froh, wenn er vorbei ist,
Sie freuen sich auf das Frühjahr,
auf Blumen und Sonne
Und dennoch wird er im kommenden Jahr
wieder mit derselben Freude empfangen.
(Linda B., Klasse 7)
Weihnachten
Was wird es
wohl dieses Jahr geben?
Erfüllte Träume
oder enttäuschte Augen?
- Kinderaugen
Von Oma
einen Pulli
- gestrickt und kratzig.
Von Tante und Onkel
einen Gameboy.
Und von
Mama und Papa?
Die langersehnte Autorennbahn!
Für die Erwachsenen
nur Wein und Plätzchen.
Glückliche
Kinder,
glücklich und zufrieden.
Weihnachten.
Halloween
31.
0ktober, Halloween,
dunkle Nacht und Nebel.
Der Wind pfeift um die Ecke,
Laub wirbelt auf.
Ein leises Lachen, hysterisches Kichern,
Fledermäuse fliegen bei Vollmond.
Ein
Schatten,
da, er verschwindet hinter dem Baum.
Ausgehöhlte Kürbisse mit schrecklichen Fratzen
schaukeln an Ästen,
ihre Schatten verdunkeln mein Gesicht.
Neben mir,
eine metergroße Gestalt taucht aus dem Untergrund.
Ein dröhnendes Lachen,
es durchbricht die Dunkelheit.
Ein lauter Schrei,
er verhallt zwischen den kalten Stadtmauern.
(Lorena H., Klasse 7)
Hunde
Sie sind
treue Begleiter -
mit ihrer nassen Schnauze.
Mit ihren langen Zungen fahren sie morgens über dein Gesicht.
Als Welpen sind sie verspielt,
wollen alles ausprobieren.
Und wenn sie etwas angestellt haben,
dann kann man ihnen nicht böse sein.
Es gibt viele von ihnen, große, kleine, weiße, schwarze.
Doch es gibt auch gefährliche mit scharfen Zähnen.
Hunde gibt
es viele, doch jeder ist einzigartig.
(Theresa H., Klasse 7)
Der
Regen,
er lässt
den See steigen,
überflutet das Ufer.
Das Kind rennt,
rennt durch den aufgeweichten Matsch,
der Regen spritzt ihm ins Gesicht.
Der Regen,
er will ins Haus hinein,
das Kind schlägt die Türe zu
und der Regen trommelt,
trommelt wütend gegen das Fenster.
(Klasse 7)
Urlaub
am Meer
Ein Dampfer
gleitet über das weite Meer hinweg.
Die Wellen schlagen an die Brandung
Und die Sonne spiegelt sich glitzernd im Meer.
Leises
Rauschen am Strand
Wird mit leichtem Wind,
der die Palmen bewegt,
Vermischt.
Krebse
krabbeln über den weißen Strand
Und Kinder sammeln Muscheln.
Die letzten Badegäste gehen nach Hause.
Die Sonne verschwindet langsam im Meer.
(Daniela, Klasse 
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