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R      H      E      T      H      O      R      I      K

Schon seit Jahren steht diese Einheit am Anfang meines Deutschunterrichts in der 10. Klasse, weil sie es mir erlaubt, die wichtigsten Stilfiguren für die Analyse und Produktion von Texten (Prosa/Lyrik), wie sie z.B. in der abschließenden Zentralarbeit verlangt werden, mit den Schülern zu erarbeiten.
Pressekommentare zu aktuellen Themen auf der ersten Seite regionaler Tageszeitungen sind als Einstieg in diese Einheit besonders gut geeignet: Die Kürze dieser Textform erfordert einen straffen, pointierten Aufbau, prägnante Formulierungen und eine einprägsame Metaphorik. In der Hand stilistisch besonders versierter Redakteure kann sie sich zu einer Kunstform ausbilden, die nicht nur inhaltlich anregt, sondern auch sprachlich großes Vergnügen bereitet.

Gegen Luftangriff (11.8.92)
Die Frankfurter Neue Presse meint zum Balkan: Fast alle haben recht. Alle, die von der UNO verlangen, die Serben unter Druck zu setzen. Alle, die von den Serben verlangen, sofort die Konzentrationslager aufzulösen, in denen sie Moslems und Kroaten verhungern lassen. Aber alle, die serbische Stellungen bombardieren wollen, haben unrecht. Auch wenn einen zu Hause am Fernseher die kalte Wut über die menschenverachtenden Gräueltaten packt. Der Golfkrieg hat gerade gezeigt, dass sogenannte "chirurgische Operationen" unmöglich sind. Wer Bomben wirft, trifft mehr unschuldige Zivilisten als in Höhlen verschanzte Freischärler. Der Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina muss ausgetrocknet werden - einen Partisanenkrieg können von der UNO geschickte Truppen nicht gewinnen.

Pille statt Verhüterli (9.08.92)
Schwarzwälder Bote: Es hörte sich so gut an: Das Sozialpaket zum neuen 218 beinhaltet kostenlose Verhütungsmittel für alle Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen bis zum 21. Geburtstag. Also die Pille für Frauen und Kondome für Männer? Denkste. Jetzt heißt es aus dem Gesundheitsministerium: Nur die Pille, also die Verhütung für die Frau, gibt es auf Krankenschein. Kondome Fehlanzeige. Damit wird aus der kostenlosen eine ganz bittere Pille. Waren wir uns nicht alle darin einig, dass Verhütung keine reine Frauensache ist? Nun also doch wieder. Statt einen Schritt nach vorn zu gehen, wurde der Seitwärtsgang eingelegt. Noch schlimmer - jetzt kann sich jeder junge Mann ohne Kondom gut rausreden: "Warum soll ich ein Verhüterli kaufen, wenn du die Pille umsonst bekommst?" Und damit ist auch das Thema Aids wieder auf dem Tisch.

Dies sind zwei Beispiele aus dem Jahr 1992, die sich damals für eine erste Entdeckungsreise ins Reich rhetorischer Figuren als besonders ergiebig erwiesen haben. Im Zusammenhang mit diesen beiden Texten lassen sich unschwer folgende Begriffe erarbeiten: 

  • Zugeständnis/Einräumung

  • Anapher

  • Klimax/Steigerung

  • Ellipse

  • Metapher

  • rhetorische Frage

  • Ironie

Die Leitfragen, mit der ich die Schüler 'auf die Suche schickte', lauteten: Welche sprachlichen Besonderheiten fallen euch auf? Mit welchen Formulierungen spitzen die Autoren ihre Argumentation zu? Im Anschluss an die Erarbeitung der o. g. Stilfiguren erhält die Klasse den Auftrag, Pressekommentare von zu Hause mitzubringen und in Einzel- bzw. Partnerarbeit  anhand eines von der Lehrkraft zur Verfügung gestellten Katalogs rhetorischer Begriffe (Definitionen + Beispiele) auszuwerten und darüber zu berichten. Höhepunkt ist schließlich das Verfassen eigener „Pressekommentare“ oder kurzer Reden zu aktuellen Themen, wobei die Schüler  mindestens fünf verschiedene Stilfiguren verwenden und auf  einen straffen, pointierten Aufbau achten müssen. Während die Texte vorgelesen werden, machen sich die Mitschüler Notizen zu den verwendeten Stilfiguren und beurteilen die Gesamtwirkung der einzelnen Beiträge.

Im Jahre 2000 wählten die Schüler unter anderem folgende Themen:

  • Kommentar zu dem Bericht: Walnüsse beschäftigen das Gericht 

  • Zeugnisse für Lehrer?  

  • Einführung einer Schuluniform?  

  • Laptop für jeden Schüler?

  • Maulkorb für Kampfhunde?

  • Dosenpfand?

  • Big Brother (RTL)  

  • Generelles Rauchverbot an Schulen

Im Anhang finden Sie zu einigen dieser Themen die Zeitungsberichte, von denen sich die Schüler für ihre eigenen Kommentare anregen ließen.

Hinweis

Im weiteren Verlauf der Einheit lasse ich gerne Reden hinsichtlich ihrer Argumentation, ihres Aufbaus und ihrer Sprachform analysieren, unter anderem Reden von Friedrich II. von Preußen (Rede vor der Schlacht bei Leuthen 1757 : s. Anhang),  J. Goebbels („Die Verkündung des totalen Kriegs“ 1943 ) und M. L. Kings Rede „I have a dream“, wobei in diesem Zusammenhang wichtige Kommunikationsmodelle, z.B. das Bühlersche Modell und dessen Weiterentwicklung durch Friedemann Schulz von Thun („Miteinander reden“ Bd. 1 u. 2), berücksichtigt werden.

Beispiel 1: Klassenarbeit zum Thema "Rhetorik"

Aufgaben

I Verfasse eine Rede zu einem der folgenden Themen:

Großstadt

Möchtest du lieber in einer Großstadt wohnen? Verfasse einen Text, in dem du die Vorzüge einer Großstadt im Vergleich zum Leben in der Kleinstadt oder auf dem Lande anpreist.

Lesen

Es wird leider immer weniger gelesen. Viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene schauen lieber fern oder verbringen ihre Zeit vor dem Computer. Verfasse eine Rede, mit der du vor allem die Jugendlichen für das Lesen von Büchern zu begeistern versuchst.

Privatautos

Nimm an, die Regierung beabsichtige, im Interesse eines wirksameren Umweltschutzes die Benutzung von Pkws für private Zwecke zu verbieten. Die Bürger sollen auf die öffentlichen Verkehrsmittel (z.B. Bus und Bahn) umsteigen. Wie reagierst du darauf? Verfasse eine Rede!

Wiedereinführung des Schulsamstags

Nimm an, die Landesregierung plane die Wiedereinführung des Schulsamstags, um die Schüler zu entlasten: Bei gleicher Wochenstundenzahl entfielen weniger Unterrichtsstunden auf die einzelnen Tage; auch die Klassenarbeiten könnten besser verteilt werden. Insgesamt würde dies weniger Stress für die Schüler/innen bedeuten. Verfasse eine Stellungnahme!

Hinweis zu allen Themen: Euer Text sollte mindestens fünf verschiedene Stilfiguren enthalten. Bitte diese unterstreichen und den entsprechenden Begriff am Rand vermerken. Textlänge: bei durchschnittlicher Schriftgröße ca. eine Seite. Methode: Ideen sammeln—> ordnen-» Konzept—» Reinschrift!

II Rundfunkrede Winston Churchills

1) Suche und schreibe (mit Zeilenangabe) heraus: Antithese, Metapher, Klimax, Anapher,

Synonymhäufung, Emphase, Parallelismus, rhetorische Frage

2) Definiere folgende Begriffe: Ellipse, Hyperbel, Personifizierung, Pars pro toto, Alliteration Assonanz, Euphemismus

 

Rundfunkrede Winston Churchills am 14. Juli 1940 an das englische Volk vor einem drohenden Angriff der deutschen Luftwaffe:   "Alles spricht dafür, dass dieser Krieg lang und schwer sein wird, niemand vermag zu sagen, wohin er sich noch ausbreiten wird. Eines ist sicher: nicht lange werden die Völker von der Gestapo beherrscht werden, niemals wird sich die Welt Hitlers Evangelium des Hasses, der Begehrlichkeit und Tyrannei unterwerfen. Und nun ist es soweit gekommen, dass wir allein in der Bresche stehen und dem Schlimmsten, was die Macht und Feindschaft des Tyrannen vollbringen kann, die Stirne bieten. In Demut vor Gott, aber mit dem Bewusstsein, dass wir einem höheren Zweck dienen, sind wir bereit, unser Vaterland gegen die Invasion zu verteidigen, die ihm droht. Wir kämpfen allein; aber wir kämpfen nicht für uns allein. Hier in dieser mächtigen Freistatt, die die Urkunden des menschlichen Fortschritts birgt und von so tiefer Bedeutung ist für die christlichen Zivilisationen; hier, umgürtet von den Meeren und Ozeanen, wo unsere Flotte herrscht; beschirmt von oben durch den Heldenmut und die Hingebung unserer Flieger; hier erwarten wir furchtlos den drohenden Ansturm. Vielleicht kommt er heute. Vielleicht kommt er nächste Woche. Vielleicht kommt er nie. Wir müssen uns gleichermaßen fähig zeigen, einem plötzlichen mächtigen Schlag zu begegnen, oder - und das ist vielleicht die schwerere Belastungsprobe - eine langandauernde Wache durchzuhalten. Doch ob unsere Qual heftig oder lang sei oder beides: wir werden keinen Ausgleich schließen, wir werden kein Parlamentieren zulassen; wir werden vielleicht Gnade walten lassen - um Gnade bitten wollen wir nicht. Ich kann durchaus verstehen, dass wohlwollende Zuschauer jenseits des Atlantiks oder besorgte Freunde in den noch nicht vergewaltigten Ländern Europas, die die Quellen unserer Kraft, die unsere Entschlossenheit nicht ermessen können, um unseren Fortbestand gezittert haben mögen, als sie sahen, wie so viele Staaten und Reiche in wenigen Wochen, ja Tagen, durch die gewaltige Macht der nazi-deutschen Kriegsmaschinerie in Stücke geschlagen wurden. Doch Hitler ist bisher noch nie einem großen Volke gegenüber gestanden, dessen Willenskraft der seinen gleichkommt. Viele dieser Länder sind durch Intrigen vergiftet worden, bevor sie   von außen zerschmettert wurden. Wie könnte man sonst erklären, was Frankreich zugestoßen ist - der französischen Armee, dem französischen Volk, den Führern des französischen Volkes? Hier jedoch, auf unserer Insel, sind wir wohlauf und guten Mutes ...."

Aus: W. Churchill, Reden, Bd. l, Zürich S. 378-385

 

Beispiel 2: Klassenarbeit zum Thema "Rhetorik"

Aufgaben

A) Verfasse einen Pressekommentar oder einen Leserbrief!

     Themen zur Wahl:

        1) In ihrer Homepage stellt sich unsere Stadt als "Perle" der Region vor. Wie sieht es aber
            mit den Freizeitangeboten und Einkaufsmöglichkeiten für Jugendliche aus? (Es können auch
            andere Gesichtspunkte berücksichtigt werden.) Verfasse hierzu einen Pressekommentar oder
            Leserbrief.

         2) Tierversuche und Tiertransporte


        Hinweis: Euer Text sollte mindestens fünf verschiedene Stilfiguren enthalten: diese bitte unterstrei-
                        chen und den entsprechenden Begriff an den Rand schreiben!


B) Textauswertung: "Die weiße Rose: Das letzte Flugblatt"

        I) Dieses Flugblatt ist Anklage (1) und Aufruf (2) zugleich.

           1) Anklage: Fasse möglichst mit eigenen Worten die Vorwürfe zusammen, die gegen Hitler
                                und seine Partei erhoben werden.

           2) Aufruf:      Wozu ruft das Flugblatt auf? (Es handelt sich dabei um mehrere Punkte!)

        II) Analyse der ersten beiden Abschnitte (Z. 1 - 13)

            Inwiefern stellen diese Abschnitte inhaltlich und sprachlich eine wirkungsvolle Einleitung
            dar?
            Welche Stilfiguren (Textbelege!) werden vor allem verwendet?      
 

Text:

,,Die weiße Rose": Das letzte Flugblatt (1943)

Kommilitonen! Kommilitoninnen!

Erschüttert steht unser Volk vor dem Untergang der Männer von Stalingrad. Dreihundertdreißigtausend deutsche Männer hat die geniale Strategie des Welt-kriegsgefreiten sinn- und verantwortungslos in Tod und Verderben gehetzt. Führer, wir danken dir!

Es gart im deutschen Volk: Wollen wir weiter einem Dilettanten das Schicksal unserer Armeen anvertrauen? Wollen wir den niederen Machtinstinkten einer Parteiclique den Rest der deutschen Jugend opfern? Nimmermehr! Der Tag der Abrechnung ist gekommen, der Abrechnung der deutschen Jugend mit der verabscheuungswürdigsten Tyrannis, die unser Volk je erduldet hat. Im Namen der deutschen Jugend fordern wir vom Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut des Deutschen, zurück, um das er uns in der erbärmlichsten Weise betrogen.

In einem Staat rücksichtsloser Knebelung jeder freien Meinungsäußerung sind wir aufgewachsen. HJ, SA, SS haben uns in den fruchtbarsten Bildungsjahren unseres Lebens zu uniformieren, zu revolutionieren, zu narkotisieren versucht. ,,Welt-anschauliche Schulung" hieß die verächtliche Methode, das aufkeimende Selbstdenken in einem Nebel leerer Phrasen zu ersticken. Eine Führerauslese, wie sie teuflischer und bornierter zugleich nicht gedacht werden kann, zieht ihre künftigen Parteibonzen auf Ordensburgen zu gottlosen, schamlosen und gewissenlosen Ausbeutern und Mordbuben heran, zur blinden, stupiden Führergefolgschaft. Wir ,,Arbeiter des Geistes" waren gerade recht, dieser neuen Herrenschicht den Knüppel zu machen. Frontkampfer werden von Studentenführern und Gauleiter-Aspiranten wie Schuljungen gemaßregelt, Gauleiter greifen mit geilen Späßen den Studentinnen an die Ehre. Deutsche Studentinnen haben an der Münchner Hochschule auf die Besudelung ihrer Ehre eine würdige Antwort gegeben, deutsche Studenten haben sich für ihre Kameradinnen eingesetzt und standgehalten . . . Das ist ein Anfang zur Erkämpfung unserer freien Selbstbestimmung, ohne die geistige Werte nicht geschaffen werden können. Unser Dank gilt den tapferen Kamera­dinnen und Kameraden, die mit leuchtendem Beispiel vorangegangen sind! Es gibt für uns nur eine Parole: Kampf gegen die Partei! Heraus aus den Parteigliederungen, in denen man uns weiter politisch mundtot halten will! Heraus aus den Hörsälen der SS-Unter- und Oberführer und Parteikriecher! Es geht uns um wahre Wissenschaft und echte Geistesfreiheit! Kein Drohmittel kann uns schrecken, auch nicht die Schließung unserer Hochschulen. Es gilt den Kampf jedes Einzelnen von uns um unsere Zukunft, unsere Freiheit und Ehre in einem seiner sittlichen Verantwortung bewussten Staatswesen.

Freiheit und Ehre! Zehn lange Jahre haben Hitler und seine Genossen die beiden herrlichen deutschen Worte bis zum Ekel ausgequetscht, abgedroschen, verdreht, wie es nur Dilettanten vermögen, die die höchsten Werte einer Nation vor die Säue werfen. Was ihnen Freiheit und Ehre gilt, haben sie in zehn Jahren der Zerstörung aller materiellen und geistigen Freiheit, aller sittlichen Substanzen im deutschen Volk genugsam gezeigt. Auch dem dümmsten Deutschen hat das furchtbare Blutbad die Augen geöffnet, das sie im Namen von Freiheit und Ehre der deutschen Nation in ganz Europa angerichtet haben und täglich neu anrichten. Der deutsche Name bleibt für immer geschändet, wenn nicht die deutsche Jugend endlich aufsteht, rächt und sühnt zugleich, ihre Peiniger zerschmettert und ein neues geistiges Europa aufrichtet. Studentinnen! Studenten! Auf uns sieht das deutsche Volk! Von uns erwartet es, wie 1813 die Brechung des Napoleonischen, so 1943 die Brechung des nationalsozialistischen Terrors aus der Macht des Gestes. Beresina und Stalingrad flammen im Osten auf, die Toten von Stalingrad beschwören uns!

,,Frisch auf mein Volk, die Flammenzeichen rauchen!"

Unser Volk steht im Aufbruch gegen die Verknechtung Europas durch den Nationalsozialismus, im neuen gläubigen Durchbruch von Freiheit und Ehre.

 

ANHANG

Walnüsse  beschäftigen Gericht

Prozess in Breisach endet mit Freispruch fiir Touristin


Von Stefan Ummenhofer (sb)____________

Breisach. 200 Cramm Walnüsse, vom Boden aufgeklaubt, können zu einer Gerichtsverhandlung führen. Gestern musste sich in Breisach eine Frau aus dem westfälischen Kirchlinde verantworten, die bei Ihringen unter einem Baum lie-gende Niisse einstecken wollte. Der Richter sprach die Frau vom Vorwurf des gewöhnlichen Diebstahls frei.

Die Westfalin hatte sich auf einem Ausflug am Kaiserstuhl befunden, als sie eine Gruppe von Walnussbäumen sah. Einige Nüsse lagen auf dem Boden, worauf die Frau diese in einer Tüte einsammelte. Bin Streifenwagen der Polizei brachte sie von diesem Vorhaben ab und nahm ihre Personalien auf. Die Staatsanwaltschaft Freiburg eröffnete daraufhin ein Verfahren.

Ein paar Wochen nach ihrem Schwarzwald-Aufenthalt flatterte der Frau ein Strafbefehl des Breisacher Amtsgerichtes

ins Haus. 400 Mark plus Gerichtskosen wurden darin gefordert, ersatzweise zehn Tage Haft. Bei der gestrigen Verhandlung vor dem Amtsgericht Breisach zeigte sich die Angeklagte völlig aufgelost. Dieses Verfahren habe ihr Leben verändert, sagte sie unter Tränen.

Ausschlaggebend für den Freispruch war letztlich die Aussage des Besitzers des Walnussbaumes. Er betonte, dass er den Baum bereits abgeerntet habe. Von seiner Seite habe kein Interesse an den Nüssen bestanden, zumal diese bereits im Laub gelegen hatten. Die Staatsanwaltschaft nahm diese Aussage zum Anlass, einen Freispruch für die Frau zu beantragen.Polizei und Staatsanwaltschaft wiesen darauf hin, dass jährlich ein großer Schaden durch Feld-, Wald- und Wiesen-Diebstahl auf das Konto von Touristen ginge. »Da es den Straftatbestand des Mundraubes nicht mehr gibt, mussten wir die Frau wegen gewöhnlichen Diebstahls anklagen«, sagte der Freiburger Oberstaatsanwalt Heinz Eugen Restle..

Schwarzwälder Bote: August 2000

Zeugnis für Lehrer? 

Mangelhaft, befriedigend, sehr gut - am Ende des Schuljahres sorgen die Zeugnisse für Spannung. Sollten auch Schuler ihre Lehrer benoten dürfen? Oder ist diese Idee nur ein Traum für Schüler und ein Albtraum für Lehrer?

IWZ  März 2000

PRO SCHULUNIFORM: GÜNTHER OETTINGER

Um dieser unguten Entwicklung zumindest in den Schulen ein Ende zu bereiten, habe ich schon vor längerer Zeit die Schuluniform ins Gespräch gebracht. In jüngster Zeit scheinen sich auch immer mehr Eltern und Lehrer für diesen Vorschlag zu begeistern, obwohl eine Schul­uniform vermeintlich nicht in unsere Zeit zu passen scheint.

Wettbewerb und Konkurrenz sind gut und fruchtbar, wenn sie zu besseren schulischen Leistungen, zu mehr Engage­ment, zu größerer Kreativität, zu mehr Mitverantwortung fuhren. Der Kleiderwettbewerb in den Schulen ist dagegen schädlich: Er fuhrt zur Benachteiligung der Kinder aus sozial schwachen Familien und fordert eine Fixierung auf Äußerlichkeiten und das Materielle.

Schwarzwälder Bote 5.3.99

 

 

Regierung dringt auf Laptop für jeden Schüler

Berlin (dpa). Jeder der rund zehn Millionen Schüler in Deutschland soll mög-

lichst bis zum Jahr 2006 über ein eigenes Laptop verfugen.

Bundesbildungsministerin Edelgard
Bulmahn (SPD) kündigte dazu Partner-
schafts-Initiativen von Wirtschaft und
Staat an. Städte und Kreise als Schulträger
konnten die auf 80 Milliarden Mark (40,9
Milliarden Euro) geschatzten Kosten al-
lein nicht aufbringen. Zugleich will die
Bundesregierung prüfen, wieweit Eltern
die Anschaffung von Schiller-Laptops
von der Steuer absetzen können, sagte die
Ministerin gestern in Berlin. Bulmahn
legte einen Plan für eine Internet-Offen­
sive an den Schulen vor: Bis Ende 2001
soll jede deutsche Schule einen Internet-
Anschluss haben. Dies werde durch das
Angebot der Telekom möglich. Pro Schu­
le soll mindestens ein Klassenraum mit
mehreren Computern ausgestattet sein.
In einem zweiten Schritt soll jede Klasse
mehrere PCs erhalten. Auf Dauer soll je-
der Schüler einen eigenen Laptop bekom-
men.              (Thema des Tages; Dritte Seite)

Schwarzwälder Bote 10.8.2000

 

Rasender Kampfhund verletzte vier Kinder

Vaihingen/Enz(lsw). Ein wildgewordener Kampfhund hat auf einem Kinderspielplatz in Vaihingen vier Kinder zum Teil schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei war der Pitbull seiner Aufsichtsperson davongelaufen. Ein 16jähriges Mädchen sowie ein zwölfjähriger Junge wurden durch mehrere Bisse schwer, zwei weitere 12- und 13jährige Jungen leicht verletzt. Der aggressive Hund löste auf dem Spielplatz eine Panik aus.

Schwarzwälder Bote

Friedrich II. von Preußen: Ansprache an die Generale und Stabsoffiziere in seinem Quartier zwei Tage vor der Schlacht bei Leuthen 1757.

Meine Herren!

Ich habe Sie hierher kommen lassen, um Ihnen erstlich für die treuen Dienste, die Sie seither dem Vaterlande und mir ge-leistet haben, zu danken. Ich erkenne sie mit dem gerührtesten Gefühl. Es ist bei-nahe keiner unter Ihnen, der sich nicht durch eine große und Ehre bringende Handlung ausgezeichnet hätte. Mich auf Ihren Mut und Erfahrung verlassend, habe ich den Plan zur Bataille1 gemacht, die ich morgen liefern werde und liefern muss. 3. Ich werde gegen alle Regeln der Kunst einen beinahe zweimal stärkern, auf Anhöhen verschanzt stehenden Feind angreifen. Ich muss es tun, oder es ist alles verloren. Wir müssen den Feind schlagen oder uns vor ihren Batterien alle begraben lassen. So denk ich, so werde ich auch handeln. Ist einer oder der andere unter Ihnen, der nicht so denkt, der fordere hier auf der Stelle seinen Abschied. Ich werde ihm selbigen ohne den geringsten Vorwurf geben.

Ich habe vermutet, dass mich keiner von Ihnen verlassen wurde; ich rechne nun also ganz auf Ihre treue Hilfe und auf den gewissen Sieg. Sollt ich bleiben und Sie nicht für das, was Sie morgen tun werden, belohnen können, so wird es unser Vaterland tun. Gehen Sie nun ins Lager, und sagen Sie das, was ich Ihnen hier gesagt habe, Ihren Regimentern, und versichern Sie ihnen dabei, ich wur­de ein jedes genau bemerken. Das Kavallerieregiment, was nicht gleich, wenn es befohlen wird, sich à corps perdu2 in den Feind hineinstürzt, lass ich gleich nach der Bataille absitzen und mach es zu einem Garnisonregiment. Das Bataillon Infanterie, was, es treffe auch, worauf es wolle, nur zu stocken anfängt, verliert die Fahnen und die Sä-bels, und ich lass ihnen die Borten3 von der Montierung schneiden. Nun leben Sie wohl, meine Herren, morgen4 um diese Zeit haben wir den Feind geschlagen, oder wir sehen uns nie wieder5.


Aufgabe: Untersucht die Sprachgestalt der Rede Friedrichs II. von Preußen:

Woran läßt sich die Wechselwirkung der oben genannten Faktoren erkennen?

Achtet besonders auf die Rollenverteilung (Personalpronomina).

An welchen Stellen verweist der Text auf die Zeitsituation? Informiert darüber

in Kurzreferaten.

An welcher Stelle wird der dialogische Charakter der Rede besonders deut-

lich? Versucht, Ruckschlüsse auf die Einstellung der Offiziere und deren Ein-

schätzung durch den Redner zu ziehen.

1 Schlacht.

2 ohne Aussicht, mit dem Leben davonzukommen.

3 gleichbedeutend mit Ehrverlust

* gemeint: übermorgen.

5 Zit. nach Schlüter, H.: Grundkurs der Rhetorik. München, DTV 4149, Bewährte Unterrichtsmethoden in Deutsch und Englisch S. 122.

Arbeitsauftrag zur Rede von J. Goebbels:

  1. Versucht mit eigenen Worten zu erklären, wie Goebbels in der Einleitung den "totalen Krieg" rechtfertigt.

  2. Worin liegt der Widerspruch zwischen dem ersten und zweiten Abschnitt?

  3. Wie begründet Goebbels die Behauptung, bei seiner Rede handle es sich um eine Volksbefragung?

  4. Welche psychologische Funktion hat der mehrfache Hinweis (5x!): "Die Engländer behaupten..."?

  5. Zeigt, dass die Rede trotz aller gegenteiligen Beteuerungen eine tiefe Vertrauenskrise zwischen der Führung und der Bevölkerung widerspiegelt.

  6. Stelle eine Liste der von Goebbels am häufigsten verwendeten Stilfiguren (mit Zeilenangaben!) zusammen. 

 

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